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THC gegen Übelkeit nach einer Magenbypass-Operation

THC und Cannabis gelten als mäßig stark übelkeitshemmende Substanzen, die im Allgemeinen den sehr wirksamen so genannten Serotoninantagonisten unterlegen sind. Diese Anfang der 90er Jahre entwickelten Serotoninantagonisten werden daher heute routinemäßig bei einer Chemotherapie mit Medikamenten, die eine starke Übelkeit und ein heftiges Erbrechen auslösen können, bereits prophylaktisch eingesetzt. Gelegentlich sind Cannabisprodukte jedoch sämtlichen anderen Medikamenten überlegen.
Publiziert am: 07.03.08 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grothenhermen
Jüngst wurde in einer Fachzeitschrift der Fall einer 31-jährigen, stark übergewichtigen Frau vorgestellt, die sich einer Magenbypass-Operation unterzogen hatte, die vor allem in den USA zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird. Nach dem Eingriff entwickelte sie eine starke Übelkeit. Alle Maßnahmen zur Linderung dieser Symptome, inklusive verschiedener starker Medikamente, waren vergeblich, sodass schließlich sehr erfolgreich und nebenwirkungsfrei orales THC versucht wurde.
Magenbypassoperationen können bei sehr starkem Übergewicht durchgeführt werden, wenn andere Versuche zur Gewichtsabnahme vergeblich waren. Dabei wird der Magen verkleinert, sodass die Patienten nach der Operation schneller satt werden. Zudem wird ein Teil des Dünndarms umgangen, sodass weniger Nahrungsstoffe aufgenommen werden. Beides führt zu einer typischerweise dramatischen Gewichtsabnahme, und die gesundheitlichen Folgen des starken Übergewichts bleiben aus oder werden verringert. Im aktuellen Fallbericht betrugen die Körpergröße 1,65 m und das Körpergewicht 116 Kilogramm.
Die Operation wurde mittels Laparaskopie, d. h. mittels „Schlüssellochchirurgie“ ohne einen großen Bauchschnitt durch kleine Öffnungen im Bauch, durchgeführt. Es gab zunächst keine Komplikationen, außer einer leichten Übelkeit. Die Patientin tolerierte die Aufnahme von Flüssigkeiten und Getränken, die eine Mahlzeit ersetzen sollten. Daher konnte sie bereits nach drei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Etwa vier Wochen nach der Operation stellte sie sich erneut im Krankenhaus vor und klagte über zunehmende und anhaltende Übelkeit. Da sie keine Flüssigkeiten bei sich behalten konnte, mussten diese über Infusionen zugeführt werden. Im Rahmen einer Magenspiegelung wurde eine Verengung im ursprünglichen Operationsbereich geweitet, um die Nahrungspassage zu erleichtern. Innerhalb der darauf folgenden drei Monate wurde die Patientin weitere sechsmal ins Krankenhaus eingeliefert und klagte über die gleichen Beschwerden. Es wurden einige Eingriffe vorgenommen, darunter eine Entfernung der Gallensteine, ohne dass dies einen relevanten Einfluss auf die Symptomatik hatte. Zudem wurde eine Anzahl von Medikamenten zur Linderung der Übelkeit ausprobiert, darunter auch ein Serotoninantagonist, der jedoch wirkungslos war. Allein die Kombination aus zwei rund um die Uhr zugeführten Medikamenten verbesserte die Übelkeit ein wenig, führte jedoch zu Nebenwirkungen, wie Müdigkeit und Depressionen, sodass die Patientin nicht mehr bereit war, die Medikamente einzunehmen. Schließlich war sie so frustriert, dass sie danach verlangte, die Magenbypassoperation solle rückgängig gemacht werden.
Schließlich wurde ihr orales THC verschrieben, von dem sie täglich maximal 15 mg einnehmen durfte. Ihre Symptome verbesserten sich daraufhin deutlich innerhalb von ein bis zwei Tagen. Sie vertrug THC gut, ohne dass psychische Nebenwirkungen auftraten. Sie konnte schnell mehr Nahrung und Flüssigkeiten tolerieren, ihre Stimmung und Energie verbesserten sich. Sie nahm insgesamt weniger als vier Wochen lang THC ein, da die Symptome innerhalb dieses Zeitraumes verschwanden.
Übelkeit nach einer Magenbypassoperation ist eine bekannte Komplikation und spricht meistens gut auf Standardmedikamente an. Gelegentlich kann diese Übelkeit jedoch stark sein, und die üblichen Behandlungen bleiben wirkungslos. Im Allgemeinen verschwindet diese post-operative Übelkeit mit der Zeit, wie auch in diesem Fall. Es gilt daher, die Zeit bis zum spontanen Verschwinden der Symptome durch entsprechende Medikamente zu überbrücken. Der vorliegende Fall ist die erste Beschreibung der Verwendung von THC bei dieser Symptomatik, und seine Wirksamkeit hat die beteiligten Ärzte offenbar sehr beeindruckt. Sie vermuten, dass THC eine nützliche Rolle bei der Behandlung dieser schweren Komplikation haben könnte. Nachdem THC im vergangenen Jahrzehnt weitgehend aus der Therapie der Übelkeit verschwunden ist, so gibt es einige Hinweise, dass hier ein Umdenken stattfindet. So wurde beispielsweise in einer Studie von Anfang 2007 nachgewiesen, dass THC so wirksam wie Serotoninantagonisten bei der so genannten verzögerten Übelkeit bei einer Krebschemotherapie ist.



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